Umdenken bei der Deutschen Bahn

Im Jahr 2015 hatte das Nahverkehrsunternehmen National Express (NX), den Betrieb auf den Linien RE7 sowie RB 48, nach erfolgreicher Bewerbung bei der öffentlichen Ausschreibung der Strecken, übernommen.

Für die DB-Regio ein herber Schlag, plötzlich fehlte eine wichtige Einnahmequelle an den Standorten Münster sowie Düsseldorf. Rund fünfzig Arbeitsplätze waren in Gefahr.

Doch dann wandelte sich das Denken bei den alteingesessenen Eisenbahnern, etwas bis dahin undenkbares geschah. Die Bahn bewarb sich auf eine Ausschreibung ihres Konkurrenten, der zuvor die Strecken der Deutschen Bahn für sich gewann, als Werksdienstleister für kleine Instandhaltungen und regelmäßige Wartungsarbeiten. Der Mut wurde belohnt, und so bekam die Deutsche Bahn den Zuschlag, ein bisher einmaliges Unterfangen in Deutschland. Es klingt ein wenig nach verkehrter Welt, aber im Grunde macht die Bahn, was sie kann. Und so hat die DB Regio NRW für rund 4,5 Millionen Euro eine neue Werkshalle in Münster gebaut, um als Fremddienstleister aufzutreten.

Vorstellung der neuen Halle im Werk Münster.

„Unsere neue Halle in Münster setzt ein wichtiges Signal für unsere Leistungsfähigkeit als Instandhaltungsdienstleister“, betont Andree Bach, Vorsitzender der Geschäftsleitung von DB Regio NRW. „Wir investieren in unsere Zukunft als Partner für Wettbewerber: Dies sichert langfristig Arbeitsplätze vor Ort und stärkt den Nahverkehr in der Region.“

„Die Zusammenarbeit mit DB Regio zeigt, dass Konkurrenten im Wettbewerb jenseits der Ausschreibungen gute Partner sein können“, so Wolfgang Schuster, Geschäftsführer von National Express. „Denn uns alle verbindet letztlich dasselbe Ziel: Wir wollen mehr Pendler von der Straße auf die Schiene bringen. Dafür brauchen wir den Schulterschluss der Branche.“

Thomas Veismann kennt als Arbeitsgebietsleiter der Deutschen Bahn die Fahrzeuge wie seine Westentasche.

Rundum-Service für NX-Elektrotriebzüge
In der neuen Halle können alle turnusmäßigen Kontroll,- Instandhaltungs- und Instandsetzungsarbeiten durchgeführt werden. Rund zwanzig DB Regio-Mitarbeiter sind in Münster allein für die NX-Elektrotriebwagen des Typs „Talent 2“ zuständig und setzen sämtliche anfallenden Tätigkeiten an den Fahrzeugen um. Dazu gehört zum Beispiel die Wartung der Klimaanlagen und Türen genauso wie das Wechseln des Getriebeöls. Das Gleis der neuen Halle ist über 90 Meter lang, sodass auch die fünfteiligen Talent-Züge komplett hinein passen.

Auf drei Ebenen kann das Werkstatt-Team zeitgleich arbeiten: in der Arbeitsgrube unter dem Fahrzeug, im Innenraum und auf der Dacharbeitsbühne. Über eine Krananlage können schwerere Komponenten auf das Fahrzeug hinauf und herunter gehoben werden. Darüber hinaus werden dort auch Vandalismus-Schäden behoben. Dazu gehört zum Beispiel der Tausch defekter Sitze oder zerkratzter Scheiben.

Weiterer Standortvorteil der neuen Halle: Für aufwändigere Maßnahmen, etwa den Tausch von Großkomponenten wie Radsätze, Drehgestelle oder Fahrmotoren, können die Fahrzeuge direkt in das nahegelegene DB Regio-Werk gebracht werden, das nur wenige Meter entfernt steht. Per Ultraschall können Radsätze dort zudem auf Herz und Nieren geprüft werden. Auf dem Werksgelände steht außerdem eine umweltfreundliche Waschanlage zur Außenreinigung der Fahrzeuge bereit, die durch den Einsatz neutraler Reinigungsmittel und ein aufwändiges Entsorgungssystem modernste Anforderungen in Sachen Ökologie erfüllt.

Für die NX-Instandhaltung hat DB Regio NRW zusätzlich zur neuen Halle eine halbe Million Euro investiert, um im bestehenden Münsteraner Werk eine Dacharbeitsbühne auf die Maße der Talent 2 zu verlängern. Auf diese Weise steht dort ein zweiter, vollwertiger Arbeitsstand für die NX-Fahrzeuge zur Verfügung. Eine weitere Million Euro investierte DB Regio NRW in den Werksstandort Düsseldorf, wo neben den roten Regio-Zügen der Bahntochter ebenfalls Fahrzeuge des britischen Unternehmens instandgehalten werden.