Vierzig Jahre Skulptur Projekte

Eindruck von den Skulptur Projekten Münster 1987: „Bus Shelter IV“ von Dennis Adams. Foto: Berthold Socha

Seit vierzig Jahren begleitet der Fotograf Berthold Socha die Skulptur Projekte in Münster mit seiner Kamera. Seine während der Ausstellungen in den Jahren 1977, 1987, 1997 und 2007 aufgenommen Fotografien sind keine Dokumentation des Kunstprojekts, sondern zeigen die Begegnung des Publikums mit den Kunstwerken. Ab kommenden Dienstag, 23. Mai, präsentiert das Stadtmuseum Münster rund achtzig Aufnahmen von Berthold Socha, die besondere Momente der münsterschen Zeit- und Kunstgeschichte festhalten.

Der Autodidakt Berthold Socha (geb. 1940) hält mit seinem Fotoapparat seit den frühen 1960er Jahren das münstersche Stadtgeschehen fest. Seine Aufnahmen sind geprägt von der sogenannten Straßenfotografie des großen französischen Lichtbildners Henri Cartier-Bresson und dessen Auffassung von Fotografie als dem Erfassen des entscheidenden Augenblicks.

Eindrucksvolle Kompositionen

Eindruck von den Skulptur Projekten Münster 1977: „Giant Pool Balls“ von Claes Oldenburg. Foto: Berthold Socha.

Mit seinen Schwarz-Weiß-Aufnahmen setzt Socha die fotografische Tradition fort, die den Menschen und seine Wahrnehmung in den Mittelpunkt stellt. „Flächen und Linien, Licht und Schatten sowie Menschen und Situationen verbinden sich in diesen Aufnahmen zusammen mit den Kunstwerken zu eindrucksvollen Kompositionen“, sagt Dr. Axel Schollmeier vom Stadtmuseum Münster, der die Ausstellung konzipiert hat.

Aus dem Sommer 1977 stammt etwa die Aufnahme Sochas von den „Giant Pool Balls“ von Claes Oldenburg. Die erst kurz zuvor am Aaseeufer aufgestellten riesigen Billardkugeln sind bereits mit zeithistorisch prägnanten Parolen beschmiert. Ein junges Paar mit Kinderwagen und eine junge Frau mit Fahrrad scheinen die Kugeln kaum wahrzunehmen. Ganz anders stellt sich die Begegnung Mensch Skulptur in einem Foto von 1987 dar: Hier nehmen Passanten Blickkontakt mit dem Kunstwerk „Bus Shelter IV“ von Dennis Adams auf.

Münster und die Skulptur-Ausstellungen – Vierzig Jahre Stadtgeschichte

Eindruck von den Skulptur Projekten Münster 1997: „Pier“ von Jorge Pardo. Foto: Berthold Socha.

„Da das Verhältnis zwischen dem Kunstwerk und seinem Publikum im Mittelpunkt von Sochas Interesse steht, ermöglichen seine Fotografien nicht nur die Retrospektive auf die Skulptur Projekte, sondern gestatten auch den Rückblick auf vierzig Jahre Stadtgeschichte“, erläutert Dr. Barbara Rommé, die Direktorin des Stadtmuseums. In einigen Aufnahmen Sochas aus dem Jahr 1977 lässt sich die Skepsis vieler Münsteranerinnen und Münsteraner über das neue Kunstprojekt erkennen. Wer hätte damals gedacht, dass die „Giant Pool Balls“ von Claes Oldenburg einmal zu einem Wahrzeichen der Stadt werden würden?

Fotografien der folgenden drei Skulptur Projekte zeigen einen Wandel: So wie sich die Ausstellungen mit der Zeit weiterentwickelten, veränderte sich auch der Umgang münsterscher Bürgerinnen und Bürger mit den Kunstwerken.

Oberbürgermeister Markus Lewe eröffnet die Ausstellung am Sonntag, 21. Mai, um 16 Uhr in Anwesenheit des Künstlers. Da für die Eröffnung Umbauten erforderlich sind, schließt das Stadtmuseum an diesem Tag bereits um 14.30 Uhr seinen regulären Betrieb. Eine Anmeldung für die Eröffnung ist nicht erforderlich, der Eintritt ins Stadtmuseum ist wie immer frei.