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Felix Janosa – Böse Lieder mit Niveau.

Zynisch, bissig, unterhaltsam: Mit seinem aktuellen Programm nahm Kabarettist und Musiker Felix Janosa sein Publikum am Freitagabend im Bennohaus mit auf Spurensuche durch die vergangenen 75 Jahre deutsch-amerikanische Beziehungen. Janosas erster Brückenschlag reicht von „Donald zu Donald“. Er beginnt die Zeitreise bei Donald Trump und leitet das Programm mit dem satirischen Lied „Der Fuehrer´s Face“ aus dem gleichnamigen Disney-Kurzfilm zu Donald Duck über. Donald Duck war der Anti-Hitler und zeigt die Absurdität der NS-Propaganda auf.

Janosa macht dem Publikum mit bissiger Härte deutlich, wie klischeehaft auch die Vorstellung über die typischen Deutschen sei. „Jeder dritte Amerikaner stammt von Deutschen ab. Wenn nicht sogar jeder Vierte“ – leitet er mit nettem Lächeln und erster Ironie zum eigentlich Programm über. Er erzählt fortlaufend Wissenswertes zur Biografie des amerikanischen Singer-Songwriters Tom Lehrer und dessen „bösen Liedern“. Janosa hat gemeinsam mit Wendelin Haverkamp diese Lieder ins Deutsche übertragen und zum Teil etwas aktualisiert. Lehrer schrieb knapp 50 Lieder, zog sich aber nach 14 Jahren von der Bühne zurück. Das erste Lied „Wernher von Braun“ beschreibt den deutschen Raketenforscher, der sich nachher in Amerika maßgeblich an der Mondmission beteiligte. Seine Anpassungsfähigkeit in der Ideologie wird durch jede Zeile ironisiert. Es folgen Lieder über atomare Aufrüstung („Es ist so früh zu sterben, dann kann die Frau früher erben“ / Geigerzähler sich bei mir vergeigt=> Atomtests), „Sei bereit“ (Pfadfinder), schnulzige Weihnachtsklischees verbunden mit bösen Sprüchen (Die deutsch-amerikanische Kitschunion), der „Vatikan-Rag“ („beichte jede Schweinerei“), Rassismus in den USA, Protestlieder, „Der nächste bitte“ (Bomben und Attentate und es geht immer so weiter mit einer Überleitung in die Pause, in der es auch heißt: der nächste Bitte). In dieser zog sich Janosa um und unterhielt sich mit Gästen.

Nach der Pause folgt als Ausgleich ein Liebeslied – doch schnell wird klar, dass dies wieder böse zu verstehen ist. Tom Lehrers Lieder wurden daher auch in das Genre „Sick“ eingeordnet. Er übertreibt es bis auf die Spitze und brach mit Tabus. Für seine Zeitgenossen war er daher “ A bit too radical“, weswegen Janosa mit seinem Programm daran anknüpfen möchte. Es folgen Lieder über einen Wissenschaftler, der von allen abschreibt, körperlichen Verfall, Verschmutzung („Trinke Wasser und atme ein“), die Marines als Allzweckwaffe („Wir gehen alle gemeinsam, wenn es knallt“), Vorliebe für Waffen (Jagd und Trophäen ad absurdum), Sexuelle Befreiung („Masochisten-Tango“ noch weit vor 50 Shades of Grey).

Zum Ende kehrt er wieder zu Donald Trump zurück. Eine Frau als Regierungschefin (Hillary Clinton) – „da hätten Sie einmal was von uns lernen können“. es folgt ein Song über die „National Brotherhood Week“ – eine Woche, in der man in Amerika freundlich zu jedem ist. Auch wenn man sich an allen anderen Tagen eigentlich nicht leiden kann. Aber in dieser Woche sei das egal. In einer Zugabe spielt Janosa noch zwei Klassiker („Poison the pigeons in the park“ und das Periodensystem in einem schnellen Klavierarrangement).

In einem Interview erklärt Janosa, dass sich das Programm an gar kein spezifisches Zielpublikum richtet. Er trete mit Tom Lehrer in einen Dialog. Der Zuschauer steigt darin ein. Janosa möchte Geschichte in Erinnerung rufen. Lehrer hat das „Spiel mit dem Entsetzen“ betrieben und über seinen Humor auch eine positive Kraft deutlich gemacht. Man müsse das Entsetzen benennen und damit umgehen, so Janosa. Deswegen ist sein Anspruch sog. Edutainment. Also politische Bildung mit Unterhaltung zu betreiben. Dies würde er gerne auch in weitere Projekte und Schulen überführen.

Fazit des Abends: böse Lieder mit meist fröhlichen Melodien. Dazu Texte mit Niveau und Botschaften, die zum Nachdenken, aber auch Lachen anregen.

Foto: Jan-Peter Klingelhöfer

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